2026 werden sich Forschung und Produktentwicklung zunehmend auf die Stoffe konzentrieren, die unsere Darmbakterien während ihres Stoffwechsels bilden – sogenannte Postbiotika. Diese bioaktiven Substanzen können wichtige Prozesse im Körper beeinflussen und gelten als nächster Schritt in der Mikrobiomforschung.

Neue Übersichts­arbeiten aus den Jahren 2024-25 zeigen: Postbiotika bieten gegenüber lebenden Mikroorganismen einige Vorteile – mehr Stabilität, bessere Lager­fähigkeit, geringeres Risiko bei immungeschwächten Personen. Gleichzeitig deuten erste Studien darauf hin, dass sie in der Prävention und Begleitung chronischer Erkrankungen, aber auch im Bereich „Healthy Aging“ Potenzial haben. Im Folgenden geht es darum, welche Erkenntnisse die Forschung zu Postbiotika liefert, wie sie im Körper wirken und wie man sie über Ernährung gezielt unterstützen kann.

Nicht nur ein Nebenprodukt des Mikrobioms

Postbiotika sind die bioaktiven Moleküle, die beim Stoffwechsel unserer Darmbakterien entstehen oder nach ihrem Abbau im Darm verbleiben. Dazu gehören unter anderem kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat, Propionat und Acetat, aber auch Peptide, Enzyme und Zellwandbestandteile.

Diese Stoffe übernehmen vielfältige Aufgaben im Körper. Sie kommunizieren mit Immunzellen, unterstützen die Darmbarriere und wirken entzündungshemmend. Anders als Probiotika müssen sie nicht lebendig sein, um aktiv zu wirken – ein Vorteil für Menschen mit empfindlichem Verdauungssystem oder geschwächtem Immunsystem.

Molekulare Mechanismen mit großem Einfluss

Ein zentrales Beispiel ist Butyrat – ein postbiotisches Molekül, das in der wissenschaftlichen Literatur mittlerweile als echtes Multitalent gilt. Butyrat dient den Darmzellen als Energiequelle, stärkt die Schleimhaut und wirkt antientzündlich. Studien zeigen, dass es über epigenetische Mechanismen Gene regulieren kann, die an Alterungsprozessen beteiligt sind.

Auch andere Postbiotika beeinflussen die Signalwege zwischen Darm und Gehirn, verbessern die Insulinsensitivität und fördern den zellulären Energiehaushalt. Dadurch gelten sie als wichtige Mitspieler im Kampf gegen stillen Entzündungen und vorzeitige Zellalterung – zwei wichtige Faktoren, die eng mit einer gesunden Langlebigkeit verknüpft sind.

Mikrobiom, Immunbalance und „Inflammaging“

Rund 70 Prozent des Immunsystems sind im Darm verankert – dort, wo das Mikrobiom seine Signale aussendet. Postbiotika steuern diese Kommunikation aktiv mit: Sie fördern die Bildung von regulatorischen T-Zellen, die überschießende Immunreaktionen dämpfen, und wirken so chronischen Entzündungen entgegen.

Diese Balance zwischen Aktivierung und Regulation ist entscheidend, um sogenanntes „Inflammaging“ – also die mit dem Alter zunehmende, niedriggradige Entzündung – zu vermeiden. Eine ausreichende Versorgung mit postbiotischen Substanzen kann daher helfen, Abwehrkraft und Gewebeschutz auch im höheren Alter zu erhalten.

Ernährung und Lebensstil: So förderst du die Wirkung von Postbiotika

Die gute Nachricht: Der Körper kann viele Postbiotika selbst bilden, wenn das Mikrobiom die richtigen Nährstoffe bekommt. Eine gezielte Ernährung kann die Produktion dieser Stoffe deutlich fördern.

Wichtige Quellen sind:

  • Ballaststoffe, vor allem resistente Stärke. Sie findet sich in abgekühlten Kartoffeln, Hülsenfrüchten oder grünen Bananen und dient den nützlichen Darmbakterien als Brennstoff, um kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat zu bilden. Diese wiederum wirken entzündungshemmend, stärken die Darmbarriere und fördern die Zellgesundheit.
  • Fermentierte Lebensmittel wie Kimchi, Sauerkraut, Miso oder Kefir sind wertvolle Quellen. Sie enthalten nicht nur probiotische Mikroorganismen, sondern auch bereits fertige postbiotische Moleküle. Dadurch wirken sie doppelt – sie nähren das Mikrobiom und liefern gleichzeitig bioaktive Substanzen.
  • Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe aus Beeren, grünem Tee, Olivenöl oder Kräutern. Sie unterstützen das Wachstum bestimmter Bakteriengruppen, die besonders viele gesundheitsfördernde Metaboliten produzieren.

Zudem deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass zeitlich begrenztes Fasten (Intervallfasten) die mikrobielle Vielfalt erhöht und die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren ankurbelt – ein weiterer Hebel für mehr postbiotische Aktivität.

Wer gezielt unterstützen möchte, kann zusätzlich auf standardisierte Postbiotika-Präparate zurückgreifen, etwa mit inaktivierten Bakterienkulturen wie Lactobacillus plantarum. Sie werden zunehmend in Studien zur Darmgesundheit, Immunregulation und Hautbarriere untersucht.

Quellen

  • Aguilar-Toalá, J. E., et al. (2025). Postbiotics: An evolving term within the functional foods fieldWorld Journal of Microbiology and Biotechnology, 41(3), 483–497.
  • Salminen, S., et al. (2024). The concept of postbioticsInternational Journal of Food Microbiology, 398, 110245.
  • Arpaia, N., et al. (2013). Metabolites produced by commensal bacteria promote peripheral regulatory T-cell generationNature, 504(7480), 451–455.
  • Canfora, E. E., et al. (2015). Short-chain fatty acids in control of body weight and insulin sensitivityNature Reviews Endocrinology, 11(10), 577–591.
  • Heintz-Buschart, A., & Wilmes, P. (2018). Human gut microbiome: Function mattersTrends in Microbiology, 26(7), 563–574.


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